Chronik

DIE CHRONIK

um 965
bereiste der jüdisch-maurische Kaufmann Ibrahim Ibn Jakub al Isreli at Tartusi die westslawischen Länder, kam etwa bis zum heutigen Wismar und gibt aber vom Hörensagen folgende Kunde wieder: „Sie haben eine große Stadt am Weltmeer, die zwölf Tore und einen Hafen hat (...). Sie bekriegen den Mieszko, und ihre Streitkraft ist gewaltig. Sie haben keinen König, lassen sich von keinem Einzelnen regieren, sondern die Machthaber unter ihnen sind die Ältesten.“

um 1068 bis ca. 1081
verfasste Adam von Bremen die „Hamburgische Kirchengeschichte“ und beschreibt darin auch das Land Wanzlow, die Insel Usedom (...). An (der) Mündung der Oder bietet die hochbedeutende Stadt Jumne einen viel besuchten Mittelpunkt des Verkehrs für die Barbaren und Griechen im Umkreis dar (...). In der Tat ist sie die größte aller Städte, die Europa umschließt, und wird von Slawen und anderen Völkern, Griechen und Barbaren, bewohnt, denn auch hinkommende Sachsen erhalten gleichfalls das Recht dort zu wohnen, freilich nur, wenn sie während des dortigen Aufenthalts ihr Christentum nicht öffentlich bekennen. Im übrigen aber dürfte man kein Volk finden, das in Bezug auf Sittlichkeit und Gastfreiheit ehrenwerter und gutherziger wäre. Jene Stadt ist angefüllt mit Waren aller nordischen Völker und besitzt alles Angenehme und Seltene. Zunehmend gibt es durch die handschriftliche Überlieferung der Namen Julin-Wollin, Jumne, Jumneta, Vineta und die ungenauen geografischen Angaben der Chronisten, die alle nie am Ort des Geschehens waren, Unstimmigkeiten, ob denn nun Vineta vor Damerow gelegen habe oder ob es die Stadt Wollin sei.

1345
wird diese Unstimmigkeit öffentlich. Bruder Angelus notiert die Lage von Vineta als Julin-Wollin.

1538
erscheint die „Chronik von Pommern“ und ihr Autor Thomas Kantzow stützte sich auf so genannte historische Forschungen, Volkssagen und auf eigene Anschauungen. Er besuchte tatsächlich die Riffe vor Damerow auf Usedom. Er lokalisierte Vineta „unter Wasser“. Kantzow fertigt Skizzen der aus dem Meer ragenden Steinblöcke an, rekonstruiert daraus Grundmauern von Häusern und glaubt Straßen zu erkennen. Da häufig Schiffe an diesem Riff zerschellten, dachte man an Zauberkräfte. In dieser Zeit entstand die Sage.

1548
wird auf der Karte „Rugiae, Usedomiae et Julinae..“ Vineta als Riff in sechs Punkten bei Damerow eingezeichnet.

ab 1685
wird Vineta nicht mehr vor Damerow eingezeichnet, sondern am Peeneausfluß, dem Peenemünder Haken. Bis ins 19. Jahrhundert erscheinen die Karten mit dem Vermerk, dass Vineta untergegangen sei.

1798
wurde in mehreren Tauchgängen das Riff untersucht. Außer großen Steinen fand man nichts.

1827
verwendete man die Steine für den Bau des Hafens Swinemünde. Offizielle Untersuchungen bestätigten, dass es sich um unbearbeitete Granitfindlinge handelte.

1841
machte L. F. von Ledebur auf archäologische Untersuchungen aufmerksam, die auf Wollin als bedeutenden Ort deuten.

1871
stellte Rudolf Virchow die Ausgrabungsarbeiten der Öffentlichkeit vor, die von Größe und Ruhm der Stadt Wollins zeugen.

1934
kam es zu archäologischen Untersuchungen auf dem polnischen Teil der Insel Usedom, in Wollin, die zur Schlussfolgerung führten, dass Jumne, Vineta, Julin und Wollin ein und derselbe Ort sind.

Anfang der 1950er Jahre
wurde im polnischen Wollin eine große Stadt mit einer riesigen Stadtmauer ausgegraben. Vermutlich haben dort zirka 8000 bis 10 000 Menschen gelebt.

1998
Die Berliner Wissenschaftler Goldmann und Wermusch stellen die These auf, dass Vineta im Barther Bodden gelegen habe. Diese Theorie ist interessant, jedoch bis heute unbestätigt.

DIE SAGE

An einem Ostermorgen hütete ein Schäferjunge seine Herde nahe dem Strande von Koserow, und wie er so über die weite See blickte, stieg mit einem Male eine alte, ehrwürdige Stadt aus dem Wasser empor: Gerade vor ihm tat sich das hohe, reich verzierte Tor in der Mauer auf. Erstaunt und wie von einem Trugbild geblendet saß er da. Dann aber sprang er auf und lief neugierig hinein. Die Männer trugen lange pelzbesetzte Mäntel und federgeschmückte Barette. Die Frauen gingen kostbar in Samt und Seide gekleidet. Aber alles geschah ohne den geringsten Laut. Stumm breiteten die Kaufleute ihre Waren aus. Einer winkte den Jungen heran. Er zeigte auf ein kleines Geldstück und wies auf den Tisch voll Ware. Doch der Junge besaß nicht einen Pfennig. Traurig und enttäuscht sahen ihm alle zu. Da lief er eilig durch das hohe Tor zurück an den Strand zu seinen Schafen. Er saß da noch, als ein alter Fischer vorbeikam und zu ihm sprach: „Wenn Du ein Sonntagskind bist, so kannst du heute, am Ostermorgen, die Stadt Vineta aus dem Meer steigen sehen, die hier vor vielen, vielen Jahre untergegangen ist" ...

 

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